Archiv für September 2010

Demo + Rock gegen Rechts in Ludwigsburg

Für Samstag den 2.Oktober rufen antifaschistische Gruppen, Gewerkschaften und Parteien zu einer Demonstration in Ludwigsburg auf.

Im Landkreis Ludwigsburg gibt es zunehmend Aktivitäten von organisierten und unorganisierten Neo-Nazis. Beispielhaft stehen dafür ein Angriff von Rechtsradikalen auf einen Migranten am letztjährigen Marktplatzfest, die verstärkten Aktivitäten der Anti-Antifa mit ihrem Aufruf zur Gewalt gegen linke Gruppen und Andersdenkende, sowie der Versuch mittels rechter Aufkleber, Plakaten und Schmierereien ihre menschenverachtende Gesinnung in der Stadt zu verbreiten. Dabei fühlen sich die aktiven Teile der rechten Szene mitunter durch die Wahlergebnisse der Bundestagswahl 2009 (2% wählten NPD, REP und DVU) bestärkt.

Vor allem in Krisenzeiten versuchen Neo-Nazis die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen breiter Teile der Bevölkerung mit unsozialen, rassistischen und völkischen Erklärungsansätzen und Forderungen zu beantworten. So zielen sie darauf ab, eine möglichst breite gesellschaftliche Verankerung zu erlangen.

Gerade jetzt wird es also immer wichtiger, die Gefahr von Rechts ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken und gegen Intoleranz und braunes Gedankengut aufzustehen.

Den ganzen Aufruf, Infos zum anschließend stattfindenden Konzert sowie ein Mobilisierungsvideo gibt es hier.

Auf nach Ludwigsburg!

Alles total extrem

Der Extremismus-Begriff geistert unermüdlich durch die mediale Öffentlichkeit. Jahrzehntelang eine bürgerlich-ideologische Phrase im Dienste antikommunistischer Hetze gegen den realexistierenden Staatssozialismus im Osten, wird er heute vorallem bemüht um eine wieder erstarkende parlamentarische Linke ebenso wie Autonome und andere außerparlamentarische Gruppen zu diffamieren und einen bürgerlich-kapitalistischen Konsens im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Unter dem Banner einer angeblich „demokratischen Mitte“ versammeln sich die FreundInnen bestehender Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse, um in Zeiten des zunehmenden Verfalls sozialer Standards ihren maroden Gesellschaftskörper mit der gespenstischen Drohung „extremistischer Ränder“ auf die gewünschte staatstreue Linie einzuschwören. Gleichsetzungen von Neonazis und Faschisten mit den Menschen, die sich ihnen in den Weg stellen gehören hierbei zum guten Ton – in erster Linie, um die Deutungshoheit des staatlichen Souveräns über die Legitimiät von Protestformen ebenso zu verteidigen wie den Zusammenhang von kapitalistischer Logik und reaktionären Ideologien zu verschleiern.

Dass die Extremismus-Keule hierbei nicht nur von VerteterInnen der bürgerlichen Rechten geschwungen wird, bewies regional am 1. Mai 2009 der SPD-Bürgermeister Ivo Gönner in Ulm, als er bei Bratwurst und Bier von der Rednertribüne herunter gegen die Menschen aus dem autonomen Spektrum hetzte, denen der Kampf gegen Faschismus – im Gegensatz zu ihm – mehr als ein Anliegen von städtischem Ansehen und gelegentlichem Wahlkampfgeplänkel ist.

Die linke Plattform Left Vision veröffentlichte vor kurzem ein sehenswertes Interview mit Prof. Wolfgang Wippermann von der FU Berlin zum Thema Extremismustheorie und ihrer gesellschaftlichen Funktion. Das Video gibt es hier .

Eine umfangreichere Auseinandersetzung mit der Extremismustheorie findet in der Broschüre der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) statt, die ihr hier als pdf-Dokument lesen könnt.