Archiv für Mai 2009

actio et reactio

Nazi-Drohungen und Antifa-Infostand in Nördlingen

In Nördlingen ist es in letzter Zeit vermehrt zu Drohungen und
Einschüchterungsversuchen durch Neonazis gekommen.
Dass den Rechten in der ländlichen Idylle häufig wenig Widerstand,
wenn nicht sogar stillsschweigende oder offene Sympathie durch den
schwarz-braunen Anteil der Bevölkerung entgegenschlägt, ist weder
neu noch überraschend. Die Akzeptanz von „rechtsoffenen“ bis
unverhohlen faschistischen Strukturen in den lokalen Bauwägen der
Dorfjugend birgt hierbei oft ein ständiges Rekrutierungspotential
für organisierte und gewaltbereite Neonazis.

Im vorliegenden Fall scheint sich die regionale Nazi-Szene
besonders sicher zu fühlen. Angesichts der Tatsache, dass
Gesichter, Namen und Adressen der lokalen Dorffaschisten kein
großes Geheimnis darstellen, ist dieses Maß an Selbstüberschätzung
einzig aus dem bisher noch marginalisierten Widerstand und der
fehlenden Öffentlichkeit heraus zu erklären. Wie schnell und
schmerzhaft sich für die Nazis beide Faktoren ändern können,
beweisen nicht nur Beispiele wie Welzheim oder Langenau.

Um die Öffentlichkeit über die Aktivitäten der braunen
Pappkameraden zu informieren, führten Antifas aus der Region am
Samstag den 16. Mai einen Infostand auf dem Nördlinger Wochenmarkt
durch. Die Resonanz war durchgehend positiv. Viele Bürger zeigten
sich interessiert und solidarisch mit dem Anliegen der
Antifaschisten und unterstützten die Aktion zudem durch kleine oder
größere Spenden. Im Laufe des Mittags wurden zudem über 350
Flugblätter verteilt, deren Inhalt wir im Folgenden wiedergeben:

Neonaziaktivitäten in der Umgebung

Ein Dorn im Auge für Nördlinger Antifaschisten war schon immer der
Bauwagen im nahegelegenen Hürnheim. Fünf der c.a. 20 Jugendlichen
im klassischen Neonazi-Skinheadlook mit Glatze, Bomberjacke und
Springerstiefel wurden beispielsweise in Augsburg mit Eisernen
Kreuzen der Wehrmacht auf ihren T-Shirts angetroffen. Online
profilierten sich die Teenager und nannten sich selbst „arisch“,
bekannten sich zur rechtsextremen NPD, verwendeten Neonazi-Codes,
wie z.B. 88, was für „Heil Hitler“ stehen soll, brachten ihren Hass
auf die lokale Antifa-Szene und andersdenkende bzw. alternativ
aussehende Menschen zum Ausdruck und skandierten öffentlich
rassistische Parolen. Dies konnte von einem Antifaschistischen
Rechercheteam aufgedeckt werden.

Kurze Zeit später passierte es: Über 20 teils mit Baseballschlägern
bewaffnete Rechtsextremisten aus dem direkten Umfeld dieser Gruppe
standen schon zum zweiten mal direkt vor der Haustür eines
stadtbekannten Nördlinger Antifaschisten und forderten den – zu
dieser Zeit nicht anwesenden – erst 15-jährigen Schüler zum
herauskommen auf. Es war eindeutig: Diese Personen sind nicht zum
plaudern vorbeigekommen. Sofort klingelten sie am Haus des
Jugendlichen.
Nachdem Sie bemerkten, dass dieser nicht anwesend war drohten sie
dem Antifaschisten telefonisch. Die Rede war hierbei von
„Baseballschläger gegen den Kopf schlagen“, „Abpassen nach der
Schule“ bis hin zu einer rabiaten Morddrohung. Auch hier kündigten
sie an bald wieder zu kommen. Kurze Zeit später wurden mehrere
Aufkleber an der Tür der Person vorgefunden und entfernt.
Drohanrufe sind keine Seltenheit mehr.

Hier wurde und wird ganz klar eine Grenze überschritten.
Antifaschismus ist selbstverständlich!
Den Neonazis in und um Nördlingen keine Basis bieten.“