Archiv für November 2008

Bündnis gegen Rechts in Heidenheim

In Heidenheim hat sich ein Bündnis gegen Rechts formiert.
Verschiedene Gruppierungen, Einzelpersonen und Parteien wollen innerhalb dieses Bündnisses auf die Aktivitäten von Neonazis im Raum Heidenheim aufmerksam machen.
Wir begrüßen den Schritt zur Gründung dieser Initiative, setzen unseren Schwerpunkt aber weiterhin durch eigenverantwortliches Handeln fort.

Eine Erklärung der Bündnisplattform findet mensch hier.

Keine Tränen für die Täter!


Zum diesjährigen ‚Volkstrauertag‘ am 15. November planen alte und neue Nazis in München gemeinsam ihre gefallenen „Helden“ zu beweinen, womit vor allem jene Schlächter der SS und Wehrmacht gemeint sind, die seinerzeit ein gerechtes Schicksal ereilt hat.

Dass es bei dem „Gedenken“ nicht nur um die Kultivierung deutscher Opferkomplexe geht, sondern ebenso um eine versuchte Verklärung und Rehabilitierung der nationalsozialistischen Ideologie, geht bereits aus dem Begriff hervor. So nimmt das „Heldengedenken“ direkt Bezug auf die Etablierung des entsprechenden Feiertages durch Nazi-Deutschland – ein Bezug, der auch dem Münchner Kreisverwaltungsreferat zu eindeutig ist und aktuell das Verbot des geplanten Aufmarsches zur Folge hat.

Da wir aber weder die Entscheidung der Verwaltungsgerichte abwarten, noch den Antifaschismus dem Staat überlassen wollen, rufen wir in jedem Fall dazu auf, kommenden Samstag in München ein Zeichen gegen die reaktionäre Gesinnung zu setzen, die bereits mit einem vermeintlich „unpolitischen“ Volkstrauertag einher geht. So legitim es ist, die unschuldigen Opfer jedes Krieges zu betrauern, so wenig hat dieser Gedenktag ursprünglich mit dieser Motivation zu tun.

Unabhängig von der nationalsozialistischen Instrumentalisierung stand er bereits seit seinen Anfängen für Militarismus, Nationalismus und jene Deutschtümelei, die im NS-Staat ihre brutalste und dabei konsequenteste Ausformung fand. Vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK)“ einst zu Ehren der gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen, ist er mit der Forderung nach einem völkischen Bewusstsein verbunden, das alle Deutschen unabhängig von ihrer sozialen Stellung zum einigen Kollektiv zusammenschweißen soll. Seine ideologische Funktion geht dabei über den Nationalismus hinaus – vielmehr soll das Bild eines „unpolitischen“ und „pflichtbewussten“ Soldaten gezeichnet werden, der tapfer sein Blut für Volk und Vaterland vergoss. Jeder konkrete historische und gesellschaftliche Bezug wird hierbei ausgeblendet und „soldatische Tugend“ als Selbstzweck glorifiziert.

Als Heidenheimern kommt uns die unreflektierte Verherrlichung militaristischer und nationalistischer Gesinnung, wie sie lokal am Beispiel des Rommel-Denkmals deutlich wird, allzu bekannt vor. Dass sich in diesem Fall die konservative Heidenheimer Presse darüber echauffierte, dass der vaterlandsliebende Rommel als Faschist und Nazi bezeichnet wird, zeigt uns nur wie effektiv es der (selbsternannten) bürgerlichen Mitte gelingt, für sich die Grenze zwischen ‚gutem’ und ‚bösem’ Nationalismus zu ziehen. Jeder, der nicht als überzeugter Anhänger nationalsozialistischer Ideologie in die Schlacht zog, sondern eben nur als vaterlandsliebender Deutscher, kann sich so rückblickend auf seinen „Irrtum“ und seine „Blendung“ zurückziehen, und in gegebenem Fall auch sein in Stein gemeißeltes Denkmal beanspruchen.
Nicht nur eine ganze Tätergeneration kann sich so mit dem Verweis auf wenige Verantwortliche freisprechen, sondern der deutsche Nationalismus selbst demonstriert hier in Abgrenzung zum NS-Regime seine angebliche Legitimität.

Gegen diese Form der heuchlerischen (Selbst-)Täuschung stellen wir fest: Niemand hat das Recht zu gehorchen, und erst recht nicht im Namen solch freiheitsfeindlicher und reaktionärer Konstrukte wie ‚Volk’ und ‚Nation’ , die nicht nur in jedem Fall auf Aus- und Eingrenzung basieren, sondern die tatsächlichen sozialen Konflikte und Klassenunterschiede der kapitalistischen Gesellschaften im heimeligen Kollektiv der ‚Schicksalsgemeinschaft’ aufzulösen trachten. Wobei jeder, der das ‚Wohl der deutschen Nation’ vor den sozialen Kampf stellt es wohl nicht besser verdient, als ausgebeutet und beherrscht zu werden. Für alle anderen gilt weiterhin, dass der Kampf für ein besseres Leben sich nur in einer Form verwirklichen kann, die eine Solidarität der Menschen über alle Grenzen hinweg ermöglicht.

Das „Heldengedenken“ in München zum Desaster machen!
Nationale und völkische Kollektive kippen – für die Assoziation freier Individuen!

Nähere Infos zum geplanten Nazi-Aufmarsch und Gegenaktivitäten
gibt’s unter
www.antifa-nt.de
http://demontage.blogsport.de/