Archiv für Oktober 2008

Hol den Vorschlaghammer

Deutsche Heldenmythen angreifen

Dem kritischen Beobachter bleibt der Anblick des Erwin-Rommel-
Denkmals in Heidenheim vorläufig erspart. Nachdem Unbekannte den
hässlichen Steinklotz mit passenden Schriftzügen gekennzeichnet
haben, wird er bis zu seiner geplanten Restauration durch die Stadt verhüllt

Angesichts der lokalen Nazi- und Kriegsverherrlichung wirkt es
höchst grotesk von einer zivilisierten und
fortschrittlichen Gesellschaft zu sprechen. Obendrein ein Denkmal
für einen Nazischlächter aufzustellen, dem eine innige
Freundschaft mit Adolf Hitler nachzuweisen ist, kann man als emanzipierter
Bürger und antifaschistisch Gesinnter nur als Provokation
auffassen.

Generalfeldmarschall Rommel, als “Wüstenfuchs” verantwortlich für
den Tod tausender Menschen, unterstrich stets seine Loyalität
zu Adolf Hitler und zeichnete sich
durch seine rücksichtslose Aggressivität aus. Für das NS-Regime war
er ein gern zitiertes Vorbild in Sachen Kriegsführung, das von
Niederlagen der deutschen Kriegsmaschinerie an anderen Fronten
ablenken sollte. Sein Afrika-Feldzug hatte Tod und Vertreibung
tausender arabischer Zivilisten zur Folge, für hunderte von Juden
bedeutete der Erfolg des „genialen Strategen“ Zwangsarbeit und
Deportation in italienische und deutsche Konzentrationslager.

Höchst zweifelhaft ist sein gewürdigtes Engagement als Mitwisser
und Eingeweihter bevorstehender Anschläge auf Hitler. Noch viel
umstrittener war seine generelle Unterstützung für Pläne dieser
Art. Viel realistischer ist dagegen die ihm zugeschriebene Haltung
bezüglich eines Loyalitätskodex, niemals im Sinne des Verrats
agieren zu wollen. So unterstrich Erwin Rommel in einem
schriftlichen Treueschwur im Oktober des Jahres 1944 seine
absolute Unterstützung Hitlers und verneinte jegliche Kollaboration mit den
inneren und äußeren Feinden des Diktators.
Sein heute vielfach ins positive verkehrtes strategisches Geschick
in der Kriegsführung sollte in einer auf Frieden geeichten
Gesellschaft keine moralische Leitlinie verkörpern, obwohl gerade
dies durch die Glorifizierung geschieht.

So verkörpert der ‚Mythos Rommel‘ vor allem die alte Mär des
’sauberen Krieges‘, einer ‚ehrenvollen Auseinandersetzung‘
pflichtversessener ‚Streiter für das Vaterland‘ – eine Verklärung
und Verherrlichung ’soldatischer Tugend‘ und kriegerischer
Realität, die den feuchten Träumen eines Ernst Jünger entsprungen
sein könnte. Für die Deutschen, die den Untergang des NS-Regimes
als persönliche Niederlage erleben mussten, bietet Rommel die
Möglichkeit den Heldenmythos des ‚guten, tapferen Deutschen‘ zu
retten – vermeintlich frei von dem Vorwurf, ein Verfechter der
nationalsozialistischen Ideologie zu sein, soll der Deutsche nun
stolz auf seine Wehrmacht sein dürfen, ohne den ideologischen
Kontext hinter ihrem Vernichtungskrieg beachten zu müssen.

Wie bezeichnend die Verklärung eines Rommel als ‚Widerständler‘ für
den desolaten Zustand des deutschen Widerstandes gegen Hitler ist,
muss an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Ebenso
bezeichnend ist, dass auch die Schreiber der Heidenheimer Neuen Presse
die Denkmal-Sabotage lediglich als ‚schäbiges Tun‘ bezeichnen können,
und sich damit in den Tenor lokaler Neonazis einreihen.
Als schäbig betrachten wir allerdings eher die Ignoranz von Journalisten, die
es besser wissen müssten.

Wer für sich in Anspruch nimmt, Lehren aus der Geschichte gezogen
zu haben, kann vor den Monumenten reaktionärer, militaristischer
‚Volkshelden‘ nicht gleichgültig stehen bleiben.
Kein einziger Nazi oder Erfüllungsgehilfe der faschistischen
Ideologie hat ein Denkmal verdient.
Und eben solch widerlicher Klotz ist eine in Stein gemeißelte
Geschichtsverfälschung und eine unsagbare Provokation für die
Opfer des Zweiten Weltkriegs. Das Denkmal für Rommel wird von uns
nicht länger hingenommen.