Spontandemo in Heidenheim

Für den 19. April war ursprünglich die Informationsveranstaltung
“Wölfe im Schafspelz – was wollen die Neonazis” mit Robert Andrasch geplant.
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Antifaschistischen Aktion Heidenheim sollte mit einem Vortrag über die aktuellen Entwicklungen rechtsextremer Strukturen in der Region informiert werden.

Wie erst kurz vor dem eigentlichen Vortrag bekannt wurde, konnte dieser Termin nun doch nicht wahrgenommen werden, weil es aufgrund polizeilicher Interventionen zu erheblichen Schwierigkeiten gekommen war, u.a. dem Referenten eine passende
Räumlichkeit zu vermitteln. So wurde allen Anbietern der bis vor kurzem noch zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten indirekt davon abgeraten, eine Veranstaltung mit antifaschistischem Inhalt mitzutragen. Die Polizei vermittelte den Gastgebern und Veranstaltern, dass dieser Vortrag nur mit dem Risiko durchzuführen sei, von Neonazis gestört oder gar attackiert zu werden. Dieses künstlich geschaffene Bedrohungspotential sollte die Veranstalter offenbar dazu nötigen, auf eine Kampagne dieser Art zu verzichten, um Auseinandersetzungen mit Neonazis und daraus resultierende Image-Probleme der Stadt zu verhindern.

Die potentielle Bedrohung durch Faschisten wird von der Heidenheimer Jugend allerdings als Herausforderung betrachtet, den Neonazis mit entsprechenden Engagement entgegenzutreten. So konnte man am Samstag sehen, dass es primäres Ziel des jugendlichen Interesses dieser Stadt ist, angekündigten Neonazis keinen Raum für ihre Propaganda zu bieten. Es versammelten sich zeitweise über hundert Jugendliche im Bahnhofsbereich, um klarzustellen, dass neofaschistische Aktivitäten in HDH jederzeit auf breiten Widerstand stoßen werden.

Durch die entsprechende Mobilisierung konnte hierbei verdeutlicht werden, dass die Veranstalter einer antifaschistischen Informationsveranstaltung in HDH keineswegs einem ‚Sicherheitsrisiko‘ ausgesetzt sind.
Angekommene Nazis mussten sehr schnell feststellen, dass ihr Plan von einer Störaktion in Heidenheim nicht gerade von Erfolg gekrönt sein würde. Ob es die gesunde Einsicht ihrer Chancenlosigkeit war, oder ein ausnahmsweise intelligenter Rat der anwesenden Polizeikräfte, ist ungewiss – fest steht, dass das armselige Häuflein angesichts der antifaschistischen Präsenz kurz nach seiner Ankunft wieder in die Züge gesteckt und aus der Stadt gekarrt wurde.
Dennoch schaukelte sich der Frust über die verschobene Veranstaltung im Laufe des Abends bei einigen Antifas hoch, so dass es gegen 21.30 Uhr zu einer spontanen Demonstration von rund 50 Personen durch die Heidenheimer Innenstadt kam .

Trotz des ausgefallenen Vortrags werten wir die Ereignisse als Erfolg.
Die Taktik des Vertuschens und Wegschauens, wie sie seit jeher seitens der Stadtführung praktiziert wird, mag für antifaschistische Arbeit zwar ein Ärgernis darstellen, kann diese aber in letzter Konsequenz nicht verhindern.
Dass es die lokalen Neonazis außer vereinzelten feigen Übergriffen auch weiterhin nicht fertigbringen, in HDH aktiv zu werden, mag uns nicht daran hindern auch in Zukunft Informationen über rechte Aktivitäten in der Region an die Öffentlichkeit zu tragen – ungeachtet der Steine, die uns von städtischer Seite hierbei in den Weg gelegt werden.
Trotz der Tatsache, dass sich offenes Auftreten von Neonazis in HDH üblicherweise schnell für sie zum Spießrutenlauf entwickelt, werden wir dem bleibenden Gefahrenpotential auch weiterhin einen angemessenen Teil unserer Aufmerksamkeit widmen.

Vor und während der Spontandemonstration kam es zu mindestens drei Festnahmen. Im Nachhinein wurden Platzverweise, zum Teil auch an unbeteiligte Personen ausgesprochen . Die Demonstration selbst verlief sehr dynamisch und kämpferisch laut.